Was wird für „Redundanz“ benötigt?
Für einen sinnvollen Redundanzaufbau brauchst du 2 CS141, die zusammenarbeiten. Um es einfacher zu machen, gehen wir in diesem Tutorial vom Standardfall aus: 2 USV-Systeme sind im Einsatz, jedes an einem eigenen Stromkreis angeschlossen, und gemeinsam stellen sie über ihre Ausgänge die Stromversorgung sicher, zum Beispiel mithilfe eines Transferschalters.
Der Transferschalter bemerkt ein Problem erst dann, wenn eine der beiden USVs herunterfährt oder für Wartungen komplett abgeschaltet wird, und schaltet dann bei Bedarf automatisch auf die andere Stromquelle um. Logisch betrachtet hat ein Transferschalter keinerlei Info über den Betriebszustand jeder USV oder die verbleibende Restlaufzeit:
Wenn wir annehmen, dass Eingang A aktiv ist und die USV 1 ausfällt, würde der Transferschalter auf Eingang B umschalten, sobald die USV 1 herunterfährt.
Das gleiche passiert, wenn Eingang 1 und 2 gleichzeitig ausfallen. Je nach Last würde USV 2 dann die erzeugte Last übernehmen, bis die Batterien leer sind.
Nach dieser Logik muss der Server rechtzeitig heruntergefahren werden, bevor beide USVs nicht mehr genug Notstrom liefern können.
Wo wird die Redundanzfunktion konfiguriert?
Beginne mit dem RCCMD-Client – hier müssen mehrere Einträge gesetzt werden:
1. Welches Gerät darf den Shutdown-Befehl senden?
5. Wie bricht man einen teilweisen Shutdown-Request ab?
1. Welches Gerät darf den Shutdown-Befehl senden?
Öffne beim RCCMD-Client die Optionen und dann „Connections“:
Du musst gültige Sender definieren – in diesem Fall die IP-Adressen beider CS141 WEBMANAGER. Sobald diese eingetragen sind, akzeptiert der RCCMD-Client ausschließlich diese beiden CS141 als Befehlsquelle.
Hinweis: DHCP kann IP-Adressen ändern
Wenn die CS141 WEBMANAGER im DHCP-Modus laufen, kann es passieren, dass der DHCP-Server neue IP-Adressen vergibt. Dann lehnt der RCCMD-Client die Befehle ab, weil sich die IP geändert hat. Stell sicher, dass die IP-Adressen beider CS141 fix sind. Gleiches gilt andersherum – wenn der RCCMD-Client durch DHCP eine neue IP bekommt, schlagen RCCMD-Shutdown-Befehle ebenfalls fehl.
2. Einrichten der Redundanz
Nachdem die IP-Adressen gesetzt sind, wird die Redundanzfunktion konfiguriert. Klicke auf „Redundancy“:
Aktiviere zuerst die Redundanzfunktion und wähle dann die IP-Adressen aus, die die Redundanzgruppe bilden sollen:
Wie wird das Redundanzlevel berechnet?
Das Level folgt einer einfachen Annahme:
Bei zwei USVs gibt es immer zwei CS141 WEBMANAGER, von denen einer zwangsläufig zuerst einen Shutdown-Befehl sendet. Welcher das ist, hängt vom Batteriestand, der Last, dem Stromausfall usw. ab.
Der Shutdown wird aber unterdrückt, bis auch alle anderen WEBMANAGER in der Liste einen Shutdown-Befehl gesendet haben. Mathematisch ist das Redundanzlevel also N + 1, wobei N der erste WEBMANAGER ist, der den Shutdown sendet, und „+1“ die zusätzlichen WEBMANAGER in der Gruppe.
Es ergeben sich folgende Werte:
0 → Kein anderer CS141 WEBMANAGER muss zusätzlich senden.
1 → Ein weiterer WEBMANAGER muss ebenfalls einen Shutdown senden.
Da wir nur zwei USV-Systeme haben, sollte der Wert auf 1 stehen.
Was passiert, wenn der zweite CS141 nicht mehr erreichbar ist, z.B. durch einen Switch-Totalausfall?
RCCMD akzeptiert den Shutdown mit Vorbehalt: Sobald ein WEBMANAGER einen Shutdown sendet, prüft die Redundanzfunktion automatisch, ob alle anderen WEBMANAGER erreichbar sind und die UPS-Kommunikation funktioniert:
Wenn diese Bedingung nicht erfüllt ist, wird der Shutdown ausgeführt, da offensichtlich kein weiterer Befehl mehr kommen kann.
3. Verbindungstest
Zuletzt solltest du prüfen, ob RCCMD beide CS141 erreichen und abfragen kann. Klicke dazu unter Heartbeats in „Test UPS Connections“ auf „Run alive check now…“. Es gibt zwei Möglichkeiten:
OK → Der CS141 ist korrekt konfiguriert und erreichbar.
Not OK → Der CS141 oder das Netzwerk ist nicht korrekt konfiguriert oder nicht erreichbar.
- Checke, ob die Ports 5769 / 6003 TCP verfügbar sind.
- Checke das Kommunikationszertifikat.
- Checke, ob TLS bei beiden Endpunkten ON / OFF ist.
- Checke, ob CS141 UNMS / RCCMD Trap Services aktiv sind.
- Checke, ob Firewalls oder Virenscanner blocken.
4. CS141-Konfiguration
RCCMD ist vollständig eingerichtet und bereit für ein Redundanz-Shutdown-Szenario.
Jetzt müssen beide CS141 identisch konfiguriert werden. Melde dich am CS141 WEBMANAGER an und führe Folgendes aus:
UNMS & RCCMD Trap Services aktivieren
Dieser Schritt ist notwendig, damit der CS141 über Port 5769 TCP abgefragt werden kann. Solange der Dienst OFF ist, zeigt RCCMD beim Alive-Check „NOT OK“.
TLS-Einstellungen prüfen
Diese Einstellung muss im CS141 und im RCCMD-Programm identisch sein (unter Options>Connections). Sonst klappt die Kommunikation nicht.
RCCMD-Shutdown-Jobs definieren
Beim CS141-UPS-Event „Powerfail“ füge den Job „RCCMD Shutdown“ hinzu
Host:
Gib hier die IP des Betriebssystems oder Servers ein, auf dem der RCCMD-Client läuft.
Port:
Standard ist Port 6003 TCP – RCCMD und CS141 müssen denselben Port nutzen.
Timing:
Wann der CS141 den Shutdown-Job auslöst. In diesem Beispiel bei Powerfail und einer gemeldeten Restlaufzeit von 600 Sekunden.
Wichtig: Da beide CS141 WEBMANAGER individuell einen Shutdown senden müssen, musst du diese Konfiguration auf beiden Geräten durchführen. RCCMD wartet immer auf beide Befehle.
5. Wie bricht man einen teilweisen Shutdown-Request ab?
Zur Erinnerung: Es ist realistisch, dass die USV 1 einen Stromausfall hat, die USV 2 aber nicht – weil beide an separaten Stromkreisen hängen.
Mit der aktuellen Konfiguration kann RCCMD den Shutdown unterdrücken, solange beide USVs grundsätzlich verfügbar sind, aber RCCMD kann nicht allein erkennen, ob der Stromausfall an USV 1 bereits behoben ist.
RCCMD merkt sich aber, welche USV bereits einen Shutdown gemeldet hat. Sobald alle USVs das getan haben, fährt RCCMD den Server herunter.
Dafür bietet der CS141 einen speziellen Befehl, mit dem er seinen Shutdown wieder zurückzieht:
RCCMD löscht dann den Shutdown-Request und kehrt in den Normalzustand zurück. Da das Gegenereignis zu Power Fail „Power Restored“ ist, wird einfach ein Counter-Job definiert: Bei Power Restored den Job „RCCMD Execute“ ausführen.
Job:
„RCCMD EXECUTE“ auswählen
Host:
IP-Adresse des RCCMD-Clients eintragen, der erreicht werden soll.
Port:
Standard 6003 TCP – muss identisch sein.
Command:
Befehl „WAKEUP“ eingeben – damit zieht der CS141 seinen Shutdown zurück.
Timing:
Wann der CS141 ausgelöst wird. Beispiel: Powerfail + 600 Sekunden verbleibende Laufzeit.
Sonderfall:
Wenn der CS141 einen Stromausfall erkennt, den Shutdown sendet und die USV dann komplett abschaltet, um die Batterien zu schützen
Aktuell ist die Konfiguration darauf ausgelegt, dass der Stromausfall endet, bevor die USV abschaltet. Wenn der Stromausfall aber so lange dauert, dass die USV sich komplett abschaltet, gibt es beim Wiedereinschalten kein „Power Restored“, da dieses Event nur kommt, wenn die USV noch läuft.
Beim Neustart ist das erste Event „UPSMAN started“ – damit wird angezeigt, dass die Kommunikation wieder läuft.
Um sicherzustellen, dass der Counter in beiden Fällen zurückgesetzt wird, sollte auch hier der Job „RCCMD Execute“ mit dem WAKEUP-Befehl beim Event UPSMAN started ausgeführt werden.
v.: 2025-08-26
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